Bilder einer Ausstellung

Fotos: Vito Bergs

Eleonora Heine-Jundi malt seit über 25 Jahren Bäume. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland in den 70er Jahren hat sich das Thema "Baum" zu einem Schwerpunkt in ihrem Werk entwickelt.

Ihre Arbeiten in Öl, Aquarell und Graphit sind in mehrfacher Hinsicht beachtenswert und herausragend: Eleonora Heine-Jundi malt nicht einfach einen Baum, sie porträtiert ihn. Sie stellt nicht einfach seine Erscheinung wirklichkeitsgetreu dar, sondern sie versucht mit allen ihr möglichen Mitteln das Wesen des Baumes, seine Individualität und seine Geschichte zu erfassen.

Die Malerin verarbeitet stimmungsvoll individuelle Eindrücke in künstlerischer Freiheit. Es entstehen Bilder zwischen Realität und Fantasie. Und es gibt abstraktere Arbeiten, die sich bei näherem Betrachten als eine Mischung aus Detail und Inspiration erweisen. Das Detail ist wie unter einem Mikroskop vergrößert, erscheint daher verfremdet und lässt den Blick in eine andere Wahrnehmungsebene zu, die von der Malerin als Ausdruck purer Energie wahrgenommen und als Farbexplosion wiedergegeben wird.

Allen Arbeiten ist eine hohe kunsttechnische Qualität gemeinsam, die Brillanz der Farbgestaltung kommt in der beeindruckenden Fernwirkung und Strahlkraft der Kompositionen erst recht zum Ausdruck.

Durch die seltene Gabe der Malerin, beim Hören von Klängen und Geräuschen Farben zu sehen, wird der Betrachter mit einer ihm nicht vertrauten Farbwahrnehmung und -umsetzung konfrontiert. Vielleicht empfinden wir aus diesem Grund ihre Farbkompositionen, die ja gleichsam Übersetzungen von Klängen sind, als so überaus sinnlich und transzendent.

Heine-Jundis Bilder verzaubern den Betrachter, und - wenn er es zulässt - berühren sie eine emotionale, empfindsame Seite in ihm, von der er vielleicht noch gar nichts wusste. Wenn der Bildbetrachter es allerdings zulässt, dass die Bilder sein Innerstes berühren, ist er verloren und Eleonora Heine-Jundi hat ihr Ziel fast erreicht.

Denn sie will nicht mit schönen Naturbildern umschmeicheln. Sie versteht sich als Sprachrohr, als Botschafterin der Bäume. Sie erwartet vom Betrachter, der sich in ein Baumbild verliebt hat, Aktivität und Verantwortung für den Erhalt der Bäume und einer Umwelt, in der Bäume eine Chance haben, zu überleben und ihre Baumpersönlichkeit zu bewahren.

Aus diesem Grund kämpft Eleonora Heine-Jundi seit Jahren mit ihren Baumgemälden, mit großem Charme und internationalem Engagement für mehr Wertschätzung und Sensibilität für die Bäume, mit denen Menschen mehr gemein haben als nur einen warmen Ofen oder eine Kochstelle.

H. Wernz-Kaiser